DIE LÜGE VOM EQUAL PAY DAY

02.04.2015
Persönliche Meinung

Von Hannah Wadephul, Kreisvorsitzende der JU Rendsburg-Eckernförde und Vorsitzende der Kommission Bildung der JUSH

Der Equal Pay Day fiel dieses Jahr auf den 20. März und wir wurden in allen Medien darauf aufmerksam gemacht, dass Frauen 22 % weniger verdienen als Männer, Frauen systematisch benachteiligt werden und die Politik dringend handeln muss. Das Motto „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ wird vor allem von Frauenverbänden, Sozialverbänden und linken Parteien mit unüberhörbarer Lautstärke propagiert. Doch wissen die eigentlich Bescheid, um was es hier genau geht? Haben sie sich mit der Ermittlung dieses angeblichen Lohnunterschiedes beschäftigt? Hier wird nämlich gerade nicht gleiche oder gleichwertige Arbeit bei Frauen und Männern verglichen! Über den Verdienstunterschied bei gleicher Arbeit oder äquivalenten Bildungsabschlüssen wird keinerlei Aussage getroffen.

Die vom Statistischen Bundesamt ermittelte Zahl ergibt sich aus dem Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst bei Frauen und Männern bezogen auf den der Männer. Und genau darin liegt die Ungenauigkeit! Viele Faktoren, die zu diesem Verdienstunterschied führen, bleiben unbedacht: Die Familiengründung geht bei den Frauen häufig mit einer kinderbedingten Auszeit und einer Teilzeitbeschäftigung einher. Hier erfahren die Männer also einen Vorsprung bei der Arbeitszeit und der Berufserfahrung, die ein Erklärungsgrund für einen Verdienstunterschied sein kann. Ebenso sind noch immer geschlechterstereotypische Berufe und Branchen ein Grund für einen unterschiedlichen Verdienst. Ein Ingenieur verdient in der Regel mehr als die Sozialpädagogin.

Mich ärgert es, dass vor allem Frauen an so einem Tag sich über einen Unterschied beschweren, der gar nicht oder nur deutlich schwächer als behauptet besteht. Hier wird unnötig auf die Tränendrüse gedrückt, Mitleid für die Frau als „Opfer“ eingefordert und Frauen gegen Männer ausgespielt. Schon heute verbietet das Grundgesetz eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und damit auch eine schlechtere Bezahlung bei gleicher Tätigkeit. Doch in der Realität sind es eben nicht die gleichen Tätigkeiten, die Männer und Frauen ausüben. Wer am Equal Pay Day die Opferrolle der Frau beschwört sollte sich vielmehr für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen. Betreuungsplätze ausbauen, Anreize für betriebseigene Kindergärten schaffen und Kinderpflege stärken. Ein weiterer Punkt ist das Werben für typische „Männerberufe“ bei jungen Frauen. So sehr der girlsday verpönt ist, das Ziel, Mädchen auch diese Berufe nahezubringen, darf gerade vor dem Hintergrund dieser Debatte nicht vergessen werden.

Der Equal Pay Day sollte für junge Frauen eine Motivation sein, sich für verbesserte Rahmenbedingungen einzusetzen und selbstbewusst den Ausbildungsweg und Berufsweg einzuschlagen. Für mich ist es auf jeden Fall ein Anreiz dafür zu kämpfen. Und zwar über den 20. März hinaus. Denn platte und schlichtweg falsche Aussagen helfen keiner Frau weiter.