#REGRETTINGMOTHERHOOD: WARUM WIR UNS SELBST IM WEGE STEHEN.

10.05.2015
Persönliche Meinung

von Friederike Driftmann, Gesellschaftspolitische Sprecherin der JU Schleswig-Holstein

Am heutigen Sonntag kaufen wir Blumen, Pralinen und bringen Frühstück ans Bett. Damit wollen wir unseren Müttern zeigen, dass wir sie lieben. Doch haben wir uns gleichzeitig in der gesellschaftlichen Diskussion im Dschungel zwischen Kitaplätzen und Geburtenraten verloren und sollten uns wieder darüber klar werden, welch enormen Wert Mütter in unserer Gesellschaft haben sollten.

Zugegeben: bei diesem Thema rede ich wie der Blinde von der Farbe. Als kinderlose Mittzwanzigerin kann ich nur erahnen, welchen Anstrengungen man durch eine stetige und bedingungslose mütterliche Verantwortung ausgesetzt ist.

Anlass zur Sorge gab mir allerdings die wochenlang durch die Medien geisternde und viel diskutierte Studie „Regretting Motherhood“ der israelischen Soziologin Orna Donath, in der Frauen aller sozialen Schichten und religiösen Zugehörigkeiten ihre Rolle als Mutter als belastend empfanden und es bereuten, je eine Mutter geworden zu sein. Allerdings wäre mangelnde Liebe zum Kind nicht der Anlass gewesen, die Mutterschaft negativ zu bewerten, vielmehr fühlten sich die Frauen gesellschaftlich stigmatisiert und mit Erwartungen überfrachtet.

Nachdem tausende Frauen dem Tenor der Studie in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #regrettingmotherhood folgten und eigene Erfahrungen schilderten, wurde insbesondere in Deutschland in den letzten Wochen die gesellschaftliche Grundhaltung gegenüber Müttern hitzig diskutiert.

Eine durchschnittliche deutsche Frau bringt laut Destatis im Schnitt 1,4 Kinder zur Welt und wird mit 29 Jahren zum ersten Mal Mutter. Das Alter von Frauen mit akademischem Abschluss bei der ersten Geburt lag 2012 sogar bei 31. Die Tendenz zur Mutterschaft im reiferen Alter stieg bisher stetig. Frauen werden also immer später Mutter.

Vor dem Hintergrund eines medial so breit gefassten Hilferufs wie #regrettingmotherhood erscheinen einem diese Zahlen fast alarmierend. Und auch so verständlich: denn das durch die Medien transportierte Bild einer perfekten Mutter, die ihr erstes Kind erst nach abgeschlossenen Studium und mindestens 5 Jahren Berufserfahrung bekommt, dabei aber nie unter 30 Jahren schwanger wird, schürt in ganz unnatürlicher Weise die Angst, etwas durch ein Kind in seinem Leben falsch zu machen. Frauen, die sich mit Anfang Zwanzig dazu entschließen, ein Kind zu bekommen, und damit ihrer eigentlich natürlichen Bestimmung nachzukommen, fehlt dabei jede Lobby.

Doch nicht nur die Frage, wann eine Frau schwanger zu sein hat, wird durch gesellschaftlich klar definierte und medial gut transportierte Botschaften diktiert. Schon seit Jahren reibt sich Deutschland an der Frage, wie Kinderbetreuung zu organisieren ist.

So wurde insbesondere das Betreuungsgeld zum Dreh- und Angelpunkt einer gesellschaftlichen Leitdebatte bestimmt. Rollenbild oder kein Rollenbild war die Frage. So wurde eine Geldleistung an Familien, die sich entschieden haben, ihr Kind nicht in eine Kita zu geben und stattdessen zuhause selbst zu erziehen, zur Herdprämie degradiert!

Es ist schon ein zynisches Paradoxon, dass ausgerechnet in einem Land, das dringend auf eine wachsende Geburtenrate angewiesen ist, derartig strenge Erwartungen an Eltern gestellt werden. Denn weder gehören die Frage des Kinderbekommens noch die der Kindererziehung in den Machtbereich einer gesellschaftlichen Intoleranz und sollten damit keinem Diktat unterfallen.

Erst wenige Jahre nach der Forderung unserer ehemaligen Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, in der Familienpolitik endlich von starren Leitbildern abzusehen und stattdessen jungen Familien Entscheidungsfreiheit zu ermöglichen, wird diese schon durch mediales Urteil im Keim erstickt.

Die einen nennen das den demographischen Wandel. Ich nenne es sich selbst im Wege stehen.

Ich freue mich jedenfalls, dass es noch junge Frauen gibt, die den Mut haben, die wundervolle Aufgabe einer Mutterschaft anzunehmen und mir damit als großes Vorbild dienen!